Noch heute orientieren sich viele Therapeuten an Virginia Satirs wegweisenden Aussagen zur Familientherapie. Probleme werden innerhalb der Familientherapie nicht isoliert betrachtet, sondern das Verhalten aller Familienmitglieder wird mit einbezogen. Durch Gespräche, Familienaufstellungen und eine Vielzahl kreativer Methoden beginnen wir die Inneren Prozesse der Familie zu verstehen. Verborgene Strukturen und Bindungen werden erfahrbar. Das Geflecht der Beziehungen wird Stück für Stück entwirrt, so dass Verstrickungen, gelöst werden können.
Die Systemische Familientherapie geht davon aus, dass bei den Mitgliedern einer Familie und in der Familie als Ganzes »Selbstheilungskräfte« vorhanden sind, die in der Therapie mobilisiert werden können. Somit wird es der Familie möglich, einen Großteil ihrer Probleme ohne beständige therapeutische Unterstützung zu lösen. In den ersten 50 Jahren unseres Jahrhunderts und sogar z.T. bis heute war Psychotherapie eine Angelegenheit zwischen zwei Personen: dem Therapeuten und seinem oder ihrem Klienten. Die Abstinenzregeln waren sehr streng, so daß über lange Zeit es kein Therapeut gewagt hätte, überhaupt Verwandte eines Klienten für ein gemeinsames Interview zu sehen. Neben anderen war Virginia Satir wichtig für den sogenannten Entwicklungsorientierten oder erlebniszentrierten Ansatz. Konzepte aus dieser Richtung orientieren sich an der Humanistischen Psychologie, einem optimistischen Modell des Menschen und der Menschheit selbst: Die Vorstellung, daß der Mensch von Grund auf gut sei und in der Lage, mit den Schwierigkeiten des Lebens fertigzuwerden in einer Weise, die auf Respekt und Liebe basiert, wenn der Betreffende die Möglichkeit hat, sich wirklich frei zu entscheiden.
In ihrem Ansatz ist der Selbstwert einer Person der Schlüssel aller Phänomene unseres geistigen und sozialen Lebens. Eine Person, die gelernt hat sich wertzuschätzen, wird in der Lage sein, kongruent und klar zu kommunizieren und alle Probleme im Respekt für die Freiheit des jeweils anderen zu lösen. Therapie wird in diesem Konzept gesehen als eine Möglichkeit, Menschen zu helfen, einen stabilen Selbstwert zu entwickeln, so daß sie es wagen können, ihre "wahren Ja's und wahren Nein's" zu sagen, das bedeutet, zu sagen, was sie wirklich meinen und wollen und nicht zu sagen, was sie denken, was man von ihnen erwartet.